12. Urologischer Winter-Workshop

Nierenzellkarzinom - Symposium der DGFIT

 

Montag, 27. Januar 2003

Vergleich der systemischen und der inhalativen Interleukin-2 Therapie bei Hochrisikopatienten mit pulmonal metastasiertem Nierenzellkarzinom
E. Huland, H. Heinzer, H. Huland (Hamburg)

Einleitung: Immuntherapie mit Interleukin-2 oder Interferon-  in zugelassenen Schemata ist bei Risikopatienten vielfach contraindiziert, z.B. bei schweren Herzerkrankungen. Die insgesamt geringe Zahl dieser Hochrisikopatienten (ca. 140-280 pro Jahr) erschwert die Initiierung von - insbesondere randomisiert kontrollierten – Studien erheblich. Daher wurde in einer multizentrischen Analyse die Überlebenszeit vergleichend untersucht bei 200 Risikopatienten, die definierte Ausschlusskriterien für die zugelassene systemische Immuntherapie mit IL-2 erfüllen und für die keine anderweitigen Therapieoptionen bestehen.

Material & Methoden: 97 Patienten von verschiedenen deutschen Therapiezentren, die überwiegend inhalativ IL-2 erhielten, wurden mit 103 Patienten mit systemischer intravenöser oder subkutaner IL-2 Therapie aus 7 verschiedenen europäischen Studien im Hinblick auf ihr Überleben verglichen. Alle Patienten hatten Lungenmetastasen und weitere Metastasen, sowie weitgehend gleiche (ungünstige) Risikostrukturen.

 

Charakteristika

IL-2 Inhalation

(n=97)

IL-2 systemisch

(n=103)

Geschlecht

Weiblich

21 (22%)

65 (63%)

Männlich

76 (78%)

38 (37%)

Alter (Jahren)

Mittleres

60.4

56.4

Minimum

37

24.1

Maximum

77.4

80

DTI*

≤24 Monate

90 (93%)

102 (99%)

>24 Monate

7 (7%)

1 (<1%)

ECOG

0

0

0

1

75 (77%)

94 (91%)

2

22 (23%)

9 (9%)

Anzahl der metastasierten Organe

Nur Lunge

5 (5%)

0

Lunge + andere

92 (95%)

103 (100%)

Tabelle 1: Inhalatives IL-2 bei Hochrisikopatienten – Patientencharakteristika (n=200); *DTI = disease to treatment interval

Ergebnisse: Das mediane Überleben in der Inhalationsgruppe betrug 10.2 Monate (95% CI 8.9 – 12.4) versus 6.3 Monate (95% CI 4.5 – 7.7) für die systemische Therapie. Der Unterschied war statistisch signifikant (Logrank = 17.2, p<0.001) (Abb.1).

In der inhalativen Gruppe wurden 9.7% objektive Remissionen gegenüber 4.9% in der systemisch therapierten Gruppe beobachtet. Das 1-Jahresüberleben der inhalativen Gruppe betrug 40.8% versus 25.2%, das 4-Jahresüberleben betrug 7.2% gegenüber 1.2% bei der systemischen Gruppe (Tabelle 2).

 

Untersuchung

 

IL-2 Inhalation

IL-2 systemisch

Überleben

1-Jahres-Überleben

40.8%

25.2%

2-Jahres-Überleben

14.5%

9.7%

3-Jahres-Überleben

7.2%

1.2%

4-Jahres-Überleben

7.2%

1.2%

Medianes Überleben, 95% CI (Monate)

10.2 (8.9-12.4)

6.3 (4.5-7.7)

Gesamttumoransprechen

Complette Remission

2.4%

0%

Partielle Remission

7.3%

4.9%

Stabiler Verlauf

34.1%

28.2%

Progression

52.4%

50.5%

Nicht auswertbar

3.7%

16.5%

Tabelle 2: Inhalatives IL-2 bei Hochrisikopatienten – Therapieergebnisse (n=200)

Abb. 2 Hochrisikopatient vor und nach 12 Monaten inhalativer Therapie

Schlussfolgerung: Die inhalative Immuntherapie ermöglicht objektives Ansprechen und Langzeitüberleben in der Hochrisikogruppe von Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom ohne sonstige Therapiealternative. Die vergleichende Analyse zur systemischen Therapie gibt einen wichtigen Hinweis auf einen Überlebensvorteil der inhalativ behandelten Patienten, bei denen zugelassene s.c. oder i.v. Therapien ohne Erfolgsaussicht oder contraindiziert sind.